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Die Kontrollinstanzen für das DAG-Gelände waren 1945/46 und
auch die folgenden Jahre keineswegs diesen Bemühungen und Anregungen Dr.
Volkhardts gegenüber aufgeschlossen.
Die Ausplünderung, der Ausverkauf ging hurtig weiter. Das gute Geschäft mit den
noch immer hohen Vermögenswerten der Montan-Verwertungsgesellschaft brachte nach
wie vor hohen Gewinn, wem, ist allerdings nicht offenkundig geworden.
Unmittelbar nach der Sprengung ordnete Cpt. Neil erneut eine Inventur aller
ausgelagerten und vorhandenen Werte des Werkes Kaufbeuren an, jedoch wurde diese
Inventur so oberflächlich und unvollständig erstellt, dass sie keinerlei
Aufschluss über noch vorhandene Vermögenswerte erbrachte. Der Ausverkauf der
verbliebenen Restbestände ging weiter: Das Büro der Treuhandverwaltung wurde
angewiesen, weitere Verkäufe zu tätigen. Interessenten mussten sich in der
Verwaltung melden, sie bekamen nach Überprüfung Passierscheine ausgestellt,
konnten dann das nach wie vor abgesperrte Gelände betreten, Materialien sichten
und sich für den Ankauf ihnen genehmer Dinge in der Verwaltung einen
Genehmigungsschein für den Abtransport ausstellen lassen. Auch für die Entnahme
von Rohholz bedurfte es einer Genehmigung.
Die Wachmannschaft war nach wie vor angehalten, streng darüber zu wachen, dass
sich kein Unbefugter an Vorhandenem vergreife.
Die Wachmannschaft bestand aus einem Wachleiter, dem Pförtner und acht
Wachleuten. Der Wachleiter war schon seit der Kriegszeit dabei. Die Wachstuben
befanden sich im Tor I (heute Sudetenstraße 70) und im Tor II (heute Gasthof
„Alte Heimat"). Der Dienst dauerte jeweils 24 Stunden, ihm folgten 24 Stunden
Freizeit. Während des Dienstes mussten die Wachleute mehrmals Kontrollgänge
absolvieren. Sie kontrollierten auch die ein- und ausgehenden
Passierscheininhaber, ob sie in Taschen oder Rucksäcken nicht etwa Diebesgut
davontrügen. 1947 noch war der Maschendrahtzaun, der das DAG-Gelände umgab,
intakt, sieht man von den Löchern ab, die immer wieder einmal nachts aus
unterschiedlichen Gründen in den Zaun geschnitten wurden.
Der Zugang zum DAG-Gelände, das Tor I, war mit einer Kette versperrt. Wer
passieren wollte, musste sich bei der Wache melden. 1948, nach der
Währungsreform, fiel der Zaun (er wurde meterweise an Interessenten verkauft)
und die Sperre, die Wachmannschaft, wurde aufgelöst.
Aber zu dieser Zeit hatte das DAG-Gelände bereits ein anderes Gesicht bekommen:
Vertriebene Gablonzer waren eingezogen.
Die Ausschlachtung des Geländes gemäß der Demontage-Befehle der Alliierten ging
weiter, trotz Besiedlung des DAG-Geländes, das am 20. August 1946 den zivilen
Namen „Kaufbeuren-Hart" bekam. Nach dem Abtransport der Maschinen wurden andere
Einrichtungen, wie Fernheizanlagen, Transformatorenstationen, Tiefbrunnenpumpen,
sogar Zentralheizungskörper und andere technische Objekte demontiert oder
zumindest beansprucht. Immer wieder erschienen im Gefolge amerikanischer
Kommissionen Delegationen der Verbündeten der Siegermächte, unter ihnen auch
Vertreter der Ostblockstaaten, wie Tschechen, Russen, Jugoslawen, um ihnen
genehmes Reparationsgut zu requirieren. Ab Juli 1947 wurden die
Reparationsgüter, die teils schon ausgelagert waren, teils noch im DAG-Gelände
abmontiert wurden, verschickt. Transporte aus dem Gelände gingen über den damals
noch intakten Gleisanschluss Richtung Bahnhof Pforzen. Lokomotiven waren in der
Lok-Halle (Standort heutige Herbststraße 22-26) stationiert, samt der
dazugehörigen Energiequelle Kohle. Sie wurde auch gern von ziviler Seite her in
Anspruch genommen!
Der oben stehende Text wurde teilweise gekürzt,
leicht verändert und mit Bildern ergänzt von Peter Dittert.
Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung des Vorstands der
Leutelt-Gesellschaft e.V. entnommen aus dem Buch:
„Neugablonz - Stadtteil der ehemals Freien Reichsstadt Kaufbeuren im Allgäu“
Entstehung und Entwicklung
Herausgegeben von der Leutelt-Gesellschaft durch Susanne Rössler und Gerhart
Stütz
Das Buch mit dem vollständigen Text ist erhältlich für 35 Euro im örtlichen Buchhandel
von Neugablonz oder direkt von der Leutelt-Gesellschaft, Waldstetter Gasse 10a,
73525 Schwäbisch-Gmünd, Tel. 07171/72705 - gerne bin ich Ihnen bei der
Beschaffung des Buches behilflich - Email :
Peter Dittert
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