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Eine gründliche Bestandsaufnahme über die wirtschaftlichen
Verhältnisse im DAG-Gelände aus dem Jahr 1953 hält fest: „Kriegsschäden sind
beim Werk Kaufteuren nicht eingetreten. Durch Demontagen und damit verbundene
Sprengungen hat es aber angabegemäß eine Wertminderung um rd. 35 Prozent
erlitten. Infolge der neuen Zweckbestimmung wurden die Schäden bisher nur
teilweise beseitigt, andererseits aber in erheblichem Umfang von Mieterfirmen
neue Gebäude errichtet und die damit zusammenhängenden Änderungen und
Erweiterungen der Versorgungseinrichtungen durchgeführt." Dies bedeutete
rückwirkend die Anerkennung der Aufbauleistung der „eigenmächtigen" Gablonzer.
Bis zum 1. Januar 1950 blieb die Aufbau- und Siedlungsgesellschaft Hauptpächter.
Ab diesem Zeitpunkt schlossen die Montan-Industriewerke mit Pächtern
Einzelverträge ab. Instandsetzungsarbeiten durch Mieter an den gepachteten
Gebäuden wurden abgelöst. Schon seit der Währungsreform hatten die
Montan-Industriewerke ihnen gehörige Grundstücke an Bauwillige verkauft. Die
Aufbau- und Siedlungsgesellschaft wurde am 17. Dezember 1949 abgelöst durch das
„Gablonzer Siedlungswerk eGmbH".
Etwa 20 Jahre dauerte es, bis Neugablonz sein „Bunkergesicht" verlor, bis die
vielen Neubauviertel das Alte aus dem Gesichtsfeld verdrängten. Zwei auffallende
Gebäudekomplexe aus der DAG-Zeit, belassen in ihrem Urzustand, bestimmten bis in
die achtziger Jahre das Zentrum von Neugablonz: Die Scheibler-Glashütte, vormals
Hüttmann & Endler, an der Sudetenstraße, sie wich 1978 dem „Depot-Markt" ),
jetzt "Minimal", und die Bunker der Kittel-Glashütte zwischen Hüttenstraße und
Erlenweg, die erst 1982 einer neuen modernen City-Wohnsiedlung Platz machen
mussten. Original-Bunkertrümmer sind heute noch in der Malergasse zu finden
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Gesprengte Bunkerreste an der
Malergasse 1980 |
Heute - 2003 - ist nicht mehr viel
übrig, aber dennoch wurden nicht alle Spuren beseitigt. |
und
im Bereich des Sanitätsdepots der Bundeswehr an der Gewerbestraße. Die Deutsche
Bundeswehr erwarb dieses Gebiet 1959 von den Sauermann-Firmen, die die
Normalisierung der deutschen Wirtschaft nicht lange überlebt hatten. Wandert man
durch Neugablonz, so trifft man immer wieder einmal auf Gebäude, die ihre
DAG-Herkunft nicht verleugnen können: Ihre typischen Merkmale sind Balkone oder
vorstehende Dächerfirste aus Beton mit abgesetzten Kanten, ehemalige
Flachdächer. Größere Objekte, wie das Haus der Industrie, weisen die massiven
Seitenverstrebungen der DAG-Hauptgebäude auf.
Besser und unauffälliger in das Straßenbild fügen sich ehemalige
DAG-Verwaltungsgebäude ein, wie der Heimwerkermarkt Gerhauser, das Haus Neue
Zeile 3 und andere, ebenso wie die im alpenländischen Stil erbauten ehemaligen
Wachgebäude Sudetenstraße und Gewerbestraße. Das ehemalige Labor-Gebäude ist
heute Hotel und Speiserestaurant „Europa". Die meisten der ehemaligen Bunker,
die der Sprengung
Betriebsgebäude an der Sudetenstraße: das umgebaute DAG Gebäude No. 610 (1986)
entgangen waren, sind mit Geschmack und Einfallsreichtum um- und ausgebaut oder
in Gebäude integriert worden.
Es ist nicht ohne Reiz, durch Neugablonz zu wandern und an Hand alter
Kartenskizzen die historischen Neugablonzer DAG-Gebäude auszumachen. Diese
Detektivarbeit wird erleichtert dadurch, dass das Neugablonzer Straßennetz dem
des DAG-Geländes in seiner Grundform entspricht. Auch dem Verlauf des
Bahngeleises, das 1953 abmontiert wurde, kann man stellenweise noch gut folgen
wie im Bereich Sudetenstraße/Falkenstraße.
1975 wurde die Erinnerung an die Kriegszeit noch einmal wachgerufen: Bei den
Ausschachtungsarbeiten zum Bau des Gablonzer Hauses stießen die Arbeiter auf
Päckchen, gefüllt mit Sprengstoff. Es war bisher - hoffentlich - der letzte Gruß
aus der kriegerischen Vergangenheit des ehemaligen DAG-Geländes, das sich zur
„Schmuckstadt Neugablonz" wandelte.
Der oben stehende Text wurde teilweise gekürzt,
leicht verändert und mit Bildern ergänzt von Peter Dittert.
Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung des Vorstands der
Leutelt-Gesellschaft e.V. entnommen aus dem Buch:
„Neugablonz - Stadtteil der ehemals Freien Reichsstadt Kaufbeuren im Allgäu“
Entstehung und Entwicklung
Herausgegeben von der Leutelt-Gesellschaft durch Susanne Rössler und Gerhart
Stütz
Das Buch mit dem vollständigen Text ist erhältlich für 35 Euro im örtlichen Buchhandel
von Neugablonz oder direkt von der Leutelt-Gesellschaft, Waldstetter Gasse 10a,
73525 Schwäbisch-Gmünd, Tel. 07171/72705 - gerne bin ich Ihnen bei der
Beschaffung des Buches behilflich - Email :
Peter Dittert
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