Hier in Neugablonz entstand nach dem Zweiten Weltkrieg die größte Vertriebenensiedlung Deutschlands. Sehr viele kamen aus Gablonz an der Neiße, aus deren Heimat sie vertrieben wurden. Es sprach sich herum, dass bei Kaufbeuren die Gablonzer Glas- und Schmuckindustrie wieder aufgebaut werden sollte. Das ursprüngliche Gablonz war dafür berühmt gewesen.

Ursprünglich war dies das Gelände der  DAG, einer Rüstungsfirma, die hier Munition herstellte. Das Trümmergelände beim Freibad Neugablonz lässt nur noch erahnen, was sich hier - gut versteckt - damals abspielte. Da die Fabrik gut getarnt war durch Baumbepflanzung auf den Dächern und Tarnanstrich, wurde sie erst spät von Amerikanern entdeckt. Der größte Teil wurde gesprengt. Heute dient, das was übrig bleiben durfte, Vögeln und Tieren als Unterschlupf. Ein richtiges kleines Reservat ist dort entstanden.

Die Vertriebenen lebten zunächst in armseligen Baracken. Doch sehr bald entstanden erste Läden, denn das Leben ging weiter und die Menschen ließen sich nicht unterkriegen, obwohl sie bei der Bevölkerung nicht gerade auf große Gegenliebe stießen, sondern eher als Eindringlinge behandelt wurden. Das war so gesehen auch nicht verwunderlich.

Barackensiedlung

Aufbau aus Trümmern

Kiosk

Angetrieben durch ihren Fleiß, ihre Ausdauer und unglaubliche Anstrengungsbereitschaft gab es bald erste Läden und natürlich die Betriebe, die Schmuck und Glas herstellten. Sehr bald entstand der wohlverdiente Wohlstand und auch die Integration in der Bevölkerung kam voran. Den gerade sprichwörtlichen Geiz der Gablonzer - der ihnen noch heute nachgesagt wird - bekam ich am eigenen Leib zu spüren. (Auch der eigenwillig anmutende Dialekt, von vielen noch gut beherrscht, gehörte zu den besonderen Kennzeichen). - Aber eben durch diesen Ehrgeiz brachte man es hier auch zu etwas. Fast in jedem Haus hörte man die typischen Arbeitsgeräusche und mit der Wirtschaft ging es steil bergauf.

Erst die billig produzierende Konkurrenz aus dem Ausland brachte das "Neugablonzer Wirtschaftwunder" gewaltig ins Stocken.