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Als ein Segen für die Lagerbewohner erwies sich die Errichtung des Lagerkindergartens im Januar 1947. Die vorschulpflichtigen Kinder kamen somit aus der Enge ihres Barackenstubendaseins heraus, ihre Familienangehörigen konnten besser ihrer Arbeit nachgehen, denn zu dieser Zeit waren die meisten der Barackenstuben zugleich auch „Werkstätten", in denen die Bewohner ihren Lebensunterhalt verdienten. Der Lagerkindergarten war eine von der Wirtschaftsbaracke, in der das Massenlager untergebracht war, abgetrennte kleine Stube. Seine Einrichtung war denkbar einfach. Die Lagerhandwerker hatten aus Fichtenholz Stühlchen und Tischchen gefertigt, die Textilfirma Momm in Kaufbeuren bunten Stoff für Vorhänge gespendet, ein Maler hübsche Bildchen an die Wände gemalt.
Ein beliebtes Spielzeug waren die Glassteine und Glasperlen, die die Kinder von ihren Eltern mitbrachten. Eine Sensation für die Kinder aber waren Bilderbücher, Puppen und Puppenwagen, mit denen Tante Lydia einst selbst gespielt hatte und die sie nun ihren Riederlohlager-Kindern schenkte. Viel Mühe machten die Kleinen der Kindergärtnerin nicht, überdies waren sie außerordentlich geschickt, wie Tante Lydia immer wieder feststellen konnte. Das Aufwachsen dieser Kinder inmitten der Arbeiten für die Gablonzer Industrie, ihre Mithilfe bei der Heimarbeit, schulten schon vorhandene Begabungen, was sich wiederum sehr positiv bei Spiel und Basteln im Kindergarten auswirkte. Tante Lydia veranstaltete mit ihren Kindern viele Feste, feierte Fasching, Ostern, Schulanfang, Nikolaus, Weihnachten, ließ sich immer wieder neue Überraschungen für Kinder und Eltern einfallen. Im Sommer stand ihr und den Kindern die unberührte Natur in Wald und Wiesen rings ums Lager als großes Spielfeld uneingeschränkt zur Verfügung. Sie nützten dieses Angebot mit Freuden aus und erfanden für ihre Spielplätze in Wald und Flur eigene Namen, wie Hasenwiese, Pilzwiese, Kuckucksblumenwiese, Rehwiese. Die Bezeichnung „Rehwiese" ist in den Neugablonzer Sprachgebrauch als Flurname eingegangen, noch heute sprechen die alten Neugablonzer von der „Rehwiese", wenn sie den Bereich Proschwitzer Straße/Luxdorfer Weg meinen, auch wenn heute diese Rehwiese Wohngebiet und daher zum großen Teil zugebaut ist. In einer weiteren abgeteilten Stube im Massenlagertrakt der Wirtschaftsbaracke hatte die Lagerleitung eine Kapelle eingerichtet. Sie war denkbar einfach ausgestattet mit einem Tisch, einem Kruzifix. Die Kapelle war im allgemeinen verschlossen, wer seine Andacht verrichten wollte, bekam den Schlüssel ausgehändigt. Sonn- und feiertags fanden hier Gottesdienste und Andachten statt, Kinder wurden hier getauft. Die Hauptgottesdienste wurden im großen Saal der Wirtschaftsbaracke zelebriert.
Der oben stehende Text wurde teilweise gekürzt und
leicht verändert von Peter Dittert. |
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