Die Auflösung des Lagers Riederloh begann im Jahr 1950 mit dem Bau der Wohnblöcke Sudetenstraße 64, 66, 68 durch das 1949 etablierte Gablonzer Siedlungswerk. (Siehe Kapitel: Das Gablonzer Siedlungswerk) Die Bayerische Staatsregierung hatte in einem Erlass verfügt, die bestehenden „Flüchtlingslager" aufzulösen, entsprechende Kredite wurden bereitgestellt. Zug für Zug wurden die Baracken des Lagers Riederloh, ausgehend von der jetzigen Straßenkreuzung Sudetenstraße - Eichenmähderweg abgerissen und an ihre Stelle Wohnblöcke gesetzt, nachdem die notwendigen Verhandlungen mit der nunmehr wieder über das Lager verfügenden Eigentümerin, der Montan, erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Die Finanzierung dieser Baumaßnahmen erfolgte nur unter der Bedingung, dass diese neu errichteten Wohnungen ausschließlich an Bewohner des Lagers Riederloh vergeben werden.
Die heute noch bestehenden Wohnblöcke waren einfach ausgestattet, der erste Bauabschnitt erbrachte 21 Wohneinheiten. Die Wohnungen waren klein, sie bewegten sich zwischen 27 und 60 qm pro Wohnung, sie besaßen nur Gemeinschaftsbäder im Kellergeschoß. Im Keller waren zudem noch zwei Werkstatträume untergebracht, im Erdgeschoß zwei Ladenlokale. Der monatliche Mietpreis betrug zwischen 68 und 85 Pfennigen pro 1951 konnte weiters der Wohnblock Sudetenstraße 60 und 62 mit 16 Wohneinheiten und zwei Werkstätten bezogen werden.

Die Baracken des Lagers Riederloh weichen Wohnblöcken (1950)

Die Baracke 6 durfte bis zur Fertigstellung des Wohnblocks in ihrer Nachbarschaft stehen bleiben!

1952 wurde der Wohnblock Eichenmähderweg 2 bis 6 mit 24 Wohneinheiten, 1952/53 die Wohnblöcke Eichenmähderweg 8 bis 30 mit 80 Wohneinheiten fertig gestellt. 1953/54 fanden die übrig gebliebenen Lagerbewohner Unterkunft in Wohnblöcken am Erlenweg, in der Kurzen Gasse und in der Reinowitzer Straße. Es ergaben sich zu dieser Zeit nun auch schon Möglichkeiten, privat Wohnungen zu mieten. Einige Lagerbewohner errichteten sich Eigenheime. Um die neu errichteten Wohnungen konnten sich die Lagerbewohner bei dem Lagerausschuss bewerben. Es war keine leichte Aufgabe, gerechte Lösungen zu treffen, denn es gingen stets mehr Bewerbungen ein, als Wohnungen zur Verfügung standen. Bei der Vergabe wurde nach folgenden Gesichtspunkten entschieden: Dauer des Lageraufenthaltes, Größe der Familie, Nachweis eines Arbeitsverhältnisses durch den Mieter. Die freigewordenen Barackenstuben belegte der Lagerausschuss erneut. Da in den Jahren 1950 bis 1953 das Lager noch voll belegt war, Neuzugänge aufgenommen werden mussten, andererseits die Anzahl der vorhandenen Barackenstuben sich laufend infolge des Abrisses der Großbaracken entlang des Eichenmähderweges verringerte, bedeuteten diese Um- und Neubelegungen keine Lösung des Unterkunftsproblems im Lager an sich. Auch 1952 war es noch üblich, dass sechs Personen in einem Raum von 18 Quadratmeter hausen mussten, das Massenlager war voll belegt. Dass zwei Betriebe nur einen gemeinsamen Werkstattraum besaßen, war nicht selten. Verständlicherweise versuchten alle Lagerbewohner, sich raummäßig ein wenig auszubreiten.
Was, ebenso selbstverständlich, zu erheblichen Spannungen führen konnte, die diejenigen Spannungen, die durch die Wohnungszuteilungen entstanden waren, noch verstärkten. Der Lagerausschuss hatte damals keine leichte Arbeit zu leisten. Die Lagerleitung bemühte sich, zusätzlichen Wohnraum innerhalb des Lagers zu schaffen. So quartierte sie Familien in die Sanitätsbaracke und in die Lagerkapelle ein. Zu einem Aufstand im Lager kam es, als die Bewohner der Baracke 6, die abgerissen werden sollte, obwohl sie noch voll belegt war, in das Massenquartier der Wirtschaftsbaracke umquartiert werden sollten. Nach Rücksprache durch das Gablonzer Siedlungswerk und mit Bürgermeister Oswald Wondrak verfügte daraufhin die Regierung von Schwaben, dass diese Baracke stehen bleiben dürfe. Der Blockneubau musste allerdings so nah an diese Baracke gesetzt
Die Baracke 6 durfte bis zur Fertigstellung des Wohnblockes in ihrer Nachbarschaft stehen bleiben!
werden, dass die Fenster von Wohnblock und Baracke nur im Gegenzug geöffnet werden konnten! Barackenbewohner, die in das Erdgeschoß des benachbarten Wohnblocks einzogen, hatten es leicht: Sie reichten ihren spärlichen Hausrat durchs Fenster in die neue Wohnung hinüber.
Die Übersiedler hatten die Möglichkeit, das Barackenmobiliar für ein verhältnismäßig geringes Entgelt zu erwerben und mit in ihre neue Wohnung zu nehmen. Nicht wenige machten von diesem Angebot Gebrauch. Die Schupfen im Lagerbereich durften die Übersiedler nur dann weiterbenutzen, wenn sie diese selbst errichtet hatten. Schupfen, die von der Lagerleitung erstellt worden waren, mussten zurückgegeben werden. Sie wurden neu vergeben.
Ende des Jahres 1953 lebten im Lager Riederloh noch 274 Personen, sie wurden im Einwohnermeldeamt pauschal geführt. Im Laufe des Jahres 1954 leerte sich das Lager Riederloh so weit, dass man nicht mehr von einem „Lager" sprechen konnte. Es gab auch Lagerbewohner, die sich sträubten, in Wohnungen übersiedelt zu werden. Sie hatten sich in ihren Stuben gemütlich eingerichtet, sie scheuten Arbeit und Kosten einer Übersiedlung und, in erster Linie, die weit höheren Mietbeträge, die sie in Zukunft entrichten mussten. Es ist überliefert, dass eine der sesshaften Lagerbewohnerinnen mit Gewalt entfernt werden musste. Sie inszenierte einen „Liegestreik", blieb auch dann noch in ihrem Bett liegen, als das Dach über ihrem Kopf schon abgetragen war. Die Bauarbeiter trugen sie samt ihrem Bett aus ihrer Stube! 1954 fiel auch das bedeutsamste Gebäude des Lagers Riederloh der Spitzhacke zum Opfer, die Wirtschaftsbaracke. Übrig blieben nur zwei Baracken am Hang No. 20 und 21, unmittelbar neben der Wirtschaftsbaracke, aufgekauft von der Stadt Kaufbeuren um 3800 Mark. Sie waren noch eine Zeitlang bewohnt. Diese letzten Baracken verschwanden, als 1958 der Bezirksverband Schwaben der Arbeiterwohlfahrt einen Teil des freigewordenen Platzes aufkaufte und hier ein Altenheim errichtete. Den südlichen Teil erwarb 1960 die Firma Max Hübner und erbaute hier ihr Fabrikgebäude (heute V-Markt).

Geblieben vom Lager Riederloh sind bis heute Kellerreste der Wirtschaftsbaracke, die in das Fabriksgebäude Fa. Max Hübner einbezogen wurden (heute V-Markt), und das ehemalige Gebäude des Magazins, einst Fleischerei Streit; es dient heute der Familie Streit als Wohngebäude.


Der oben stehende Text wurde teilweise gekürzt und leicht verändert von Peter Dittert.
Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung des Vorstands der Leutelt-Gesellschaft e.V. entnommen aus dem Buch:
„Neugablonz - Stadtteil der ehemals Freien Reichsstadt Kaufbeuren im Allgäu“
Entstehung und Entwicklung - Herausgegeben von der Leutelt-Gesellschaft durch Susanne Rössler und Gerhart Stütz

Das Buch mit dem vollständigen Text ist erhältlich für 35 Euro im örtlichen Buchhandel von Neugablonz oder direkt von der Leutelt-Gesellschaft, Waldstetter Gasse 10a, 73525 Schwäbisch-Gmünd, Tel. 07171/72705 - gerne bin ich Ihnen bei der Beschaffung des Buches behilflich -  Email : 
Peter Dittert