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Warum es dennoch nicht zur Aufstellung des Rüdiger-Brunnens in Wien kam, ist nicht geklärt. Die Entwürfe Metzners für den Brunnen sind erhalten geblieben, die Rüdiger-Statue wurde mit großer Wahrscheinlichkeit in seinem Berliner Atelier gefertigt. Nicht haltbar ist ein Gerücht, das lange Zeit um die Ablehnung des Brunnenbaus kursierte. Danach sollten Wiener Stadtväter Anstoß an Entwürfen des Bildhauers genommen haben, die für die Gestaltung der Sockel-Reliefplatten reichlich unbekleidete Donaunixen vorsahen. Solche Entwürfe Metzners sind unbekannt, überliefert sind Zeichnungen und Modelle, die eben jene Helden-Torsi zeigen, wie sie der Brunnen heute aufweist. Auch ist kaum anzunehmen, dass in der lebenslustigen Stadt Wien die Mehrzahl der Stadtväter so prüde waren, wie vorgegeben wird. Es ist dagegen anzunehmen, dass künstlerische Gesichtspunkte und finanzielle Gründe ausschlaggebend waren, dass die Errichtung des Brunnens in Wien nicht verwirklicht werden konnte. Die Hauptfigur, den bronzenen Rüdiger, erwarb die Gesellschaft zur Förderung deutscher Kunst und Wissenschaft, Sitz Prag. Eine Weiterverwendung verhinderte der 1914 ausgebrochene Erste Weltkrieg. Bei Kriegsende 1918 lagerte die Plastik in einem Prager Magazin.
Ab 1931 stand nun der Rüdiger-Brunnen auf der Gablonzer Bastei, offiziell „Gewerbeplatz", er verlieh diesem Platz seine besondere Note. In der Ferne erhebt sich der Schwarzbrunn, er bereichert mit seiner bewegten Kulisse die Gestaltung dieses einst schönsten Platzes der Stadt Gablonz an der Neiße. Das Ende des Gablonzer Rüdiger-Brunnens kam, wie das der Gablonzer selbst, 1945. Wenige Stunden nach Kriegsende stürzten tschechische Milizen und Partisanen das Rüdiger-Standbild vom Sockel, beschossen es unter Gegröle und Geheul, spannten Pferde davor und ließen es scheppernd über das Kopfsteinpflaster der umliegenden Straßen schleifen. Am Platz vor dem Neuen Rathaus stellten sie das Standbild zum Zwecke der Volksbelustigung aus. Später landete das Standbild auf einer Abfallhalde. Dann entfernten die neuen Herrn der Stadt auch die Sockelplatten, auch sie wurden beschädigt. Auf den nunmehr leeren Sockel setzten die Tschechen ein „Befreiungsdenkmal" in Form eines Sowjetsoldaten, der ein Maschinengewehr schulterte. Dieses Siegerdenkmal hielt nur bis 1968, es wurde während des Prager Aufstandes gegen das Sowjetregime gestürzt. Die nunmehrigen Denkmalstürmer hatten allerdings weniger Spaß an ihrer Aktion als ihre Vorgänger, freilich auch weniger Mühen damit; der Sowjetsoldat zersprang beim Stürzen in tausend Stücke, er war nur aus Gips gefertigt! Als nächstes Bildwerk folgte eine Frau östlicher Prägung ihren Vorgängern auf diesen Sockel, eine Symbolfigur des Friedens, in vielfacher Form verwendbar. Setzt man im Rückblick den Symbolgehalt des Rüdiger in bezug auf diese Geschehnisse, dann war das Stürzen seiner Gablonzer Statute im Jahre 1945 keineswegs nur ein Akt nationaler und künstlerischer Barbarei, er war widersinnig: Rüdiger hätte stehen bleiben müssen - als Mahnmal, dass Menschen ihren Staat, in dem sie leben, bejahen sollen! Die Sudetendeutschen hatten dies 1938, als sie für den Anschluss an das Deutsche Reich stimmten, nicht getan. Rüdiger dagegen hat, auch gegen seine innere Überzeugung, seinem Herrn, dem fremden Hunnenkönig, die Treue gehalten. Doch solche Überlegungen anzustellen, erweist sich als überflüssig: 1945 galt allein das Gesetz der Stunde. Alles, was deutsch ist, muss ausgelöscht werden.
Der oben stehende Text wurde teilweise gekürzt und
leicht verändert von Peter Dittert. |
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