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Herr Riesner verstarb am 9. Oktober 2005 |
Interview vom 3. Mai 2003
Herr Riesner wurde 1910 geboren und stammt
aus Großstiebnitz (Bild ca. von 1935) im Adlergebirge *.
1939 hatte der Ort 890 Einwohner und gehörte zum Sudetenland, heute zu
Tschechien (Karte).
Nach Ende des Krieges geriet Herr Riesner zunächst in amerikanische, dann in
englische Gefangenschaft, wo er als Lagerarbeiter tätig war. In seine
Heimatstadt konnte er nicht mehr zurück. Sein Haus musste er zurücklassen,
außerdem war die Fa. Heinrich-Preißler & Co inzwischen in Neugablonz -
damals Kaufbeuren-Hart - und damit seine Arbeitsstelle als Glasschleifer
schon längst nicht mehr da. Als Entschädigung bekam er viel später für sein
zurück gelassenes Haus einen "Lastenausgleich" in Höhe von 1600 DM. Für den
Betrag kaufte sich das Ehepaar eine Bügel- und Nähmaschine. Heute bewohnt
ein tschechischer Bürger sein Haus.
Herr Riesner erfuhr, dass sich sein ehemaliger Arbeitgeber in Kaufbeuren-Hart
niedergelassen hatte. Es gelang ihm Pfingsten 1947 hierher zu kommen und
wieder in seinem "alten" Betrieb zu arbeiten.
Seine Frau war bereits hier, nachdem diese 1946 ihren Heimatort von einem
Tag zum anderen verlassen musste. "Bei meiner Frau", berichtet Herr Riesner,
"ging es schon geregelt zu." Sie konnte wenigstens noch 30 kg Gepäck - vor
allem Kleidung und Küchengeräte - mitnehmen. Die Wertsachen wurden ihr
weggenommen. Nur wenigen gelang es, diese zum Beispiel in doppelten Böden zu
verstecken. Wurden sie dennoch entdeckt, dann musste man froh sein, mit dem
Leben davonzukommen und nur verprügelt zu werden.
Herr und Frau Riesner lebten zu viert auf 10 Quadratmeter in einer
Betriebswohnung. Er arbeitete in seinem Betrieb täglich von 5 bis 20 Uhr, um
sich schließlich 1956 einen Baugrund zu kaufen. Durch seinen Fleiß gelang es
ihm sein eigenes Haus zu bauen, nachdem er neun Jahre zuvor praktisch wieder
ganz von vorne anfangen musste. |