Interview vom 13. Mai 2003

1. Seite 2. Seite 3. Seite Nach dem Interview setzte sich Anna Traubach noch für Stunden an den Tisch - so aufgewühlt war sie - und schrieb alle ihre Erinnerungen nieder. Die Originalaufzeichnungen können Sie durch Anklicken vergrößern!

Anna Traubach (Jahrgang 1923) stammt aus Reichenau bei Gablonz a.N. und stellte in einem Gablonzer Betrieb Broschen und Ohrclipse her. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm ein Tscheche den Betrieb. Dort durfte sie aufgrund ihrer Fachkenntnisse zunächst noch arbeiten. Dann wurde ihr aber befohlen, zunächst für 4 Wochen auf einem tschechischen Bauernhof zu arbeiten. Da diese einen Mann brauchten, musste Anna als Knecht auf dem Feld und im Stall arbeiten. Sie erinnert sich noch sehr gut, wie sie mit einem eitrigen Fuß in Holzschuhen laufen musste und in einem Bett voller Flöhe schlief. Aus den vier Wochen wurden schließlich vier lange Monate.
Schließlich durfte sie für kurze Zeit Heimarbeit anfertigen, bis am 21.3.1946 tschechische Polizisten in SS-Uniform auftauchten und die damals 22-jährige aufforderten, innerhalb zwei Stunden - also bis 11 Uhr - zusammenzupacken, da sie das Land verlassen müsse. Ihre Mutter, die gerade außer Haus war, wehrte sich aber schließlich mit Erfolg (mit der Begründung, dass noch Heimarbeit zu erledigen wäre) und erreichte eine Fristverlängerung bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr. Somit blieb den beiden noch Zeit ihre 30 kg Gepäck, die sie mitnehmen durften zu packen.
 

Zwei Mal wurden ihre Habseligkeiten kontrolliert und alles was einen gewissen Wert hatte, natürlich Geld aber auch die Küchenmesser, wurde ihnen von den Polizisten weg genommen  Den Strohsack konnten sie unter Protest doch noch mitnehmen.

Im Kohlenwaggon der Bahn ging schließlich die ungewisse Reise Richtung Haunstetten (bei Augsburg). Zuvor erfolgte noch an der Grenze eine Entlausung mit *DDT. Man hatte keinen Einfluss auf das Transportziel, da dieses von den Tschechen festgelegt wurde. Schließlich landete Anna 1946 mit ihrer Mutter und Schwester auf einem Bauernhof in Frankenried bei Kaufbeuren. Dort wurde sie (verständlicherweise) nur widerwillig, da zwangsweise, aufgenommen und fand in einer kleinen Kammer Unterkunft.

Links sehen Sie eine aktuelle tschechische Karte - wenn Sie diese anklicken, erscheint eine deutsche Karte vom Siedlungsgebiet der Deutschen vor dem Zweiten Weltkrieg.

* Schädlingsbekämpfungsmittel, das wegen seiner langen Verweilzeit in der Umwelt (etwa 20 Jahre) und seiner leichten Verbreitung (durch Wind und Wasser) umweltschädlich ist. DDT findet man heute überall auf der Erde, auch in den Ozeanen, in Wüsten und auf den Eisfeldern am Nord- und Südpol. Es speichert sich leicht in fetthaltigen Geweben. Über die Nahrungskette gefährdet es Tier und Mensch. Daher ist die Anwendung und die Herstellung von DDT in vielen Ländern verboten.